Lernen lernen – Eine Aufgabe für das Elternhaus!

Bis Kinder in die Schule kommen, haben sie schon viel gelernt: sitzen und krabbeln, laufen und sprechen, alleine essen, sich anziehen usw. Die Eltern dienen dabei in vielem als Vorbild, um diese Fertigkeiten und auch ein paar Grundregeln des Zusammenlebens zu lernen. Das Lernen in der Schule jedoch funktioniert dann allerdings etwas anders, denn häufig geht das nicht mehr wie von selbst, sondern es müssen neue Strategien entwickelt werden. Wie Schulkinder richtig lernen, wird heute zwar meist zu Beginn eines Schuljahres in einer Unterrichtseinheit angesprochen, doch für die Schülerinnen und Schüler ist das zu diesem Zeitpunkt eher uninteressant und klingt für sie eher danach, noch etwas, das sie lernen müssen. Auch die Lehrer haken danach das Thema einfach ab, denn ob ein Schüler oder eine Schülerin eine Methode in Zukunft anwendet, kümmert sie in der Regel nicht mehr bzw. es bleibt neben dem normalen Unterricht dafür keine Zeit mehr.

In der Grundschule wird meist noch versucht, das Lernen spielerisch zu verpacken, sodass der Schüler oder die Schülerin noch keine besondere Lerntechnik benötigt und muss auch nicht selber entscheiden, wie am besten gelernt wird, denn der Wissenserwerb wird hier noch gar nicht als Lernen betrachtet, denn vieles merken sich Grundschulkinder noch aus Interesse und Neugier. Dabei wäre es wichtig, spielerisch verschiedene Lerntechniken kennenzulernen und auszuprobieren, die den SchülerInnen am meisten Spaß und Erfolg bringen und eine gute Grundlage für ihren weiteren Schul- und Bildungsweg zu erarbeiten. Zu diesem Zeitpunkt haben Methoden des Lernens auch noch gute Chancen, zu einer selbstverständlichen Fertigkeit zu werden. Die meisten Eltern sind mit Lerntechniken nicht vertraut und können ihren Kindern dieses entscheidende Wissen nicht vermitteln. Im Vorteil sind dann jene Kinder, die ihre Eltern einmal selber beim Lernen sehen und auf diese Weise als Vorbild wirken.

Eltern können ihre Kinder beim Lernen auch darin unterstützen, indem sie gute Voraussetzungen schaffen, also für einen passenden Arbeitsplatz sorgen und den Kindern helfen, einen feste Arbeitsablauf für das Lernen zu Hause zu entwickeln und vor allem zu Beginn darauf achten, dass dieser Lernplan auch eingehalten wird. Eltern sollten auch Interesse an der Schule zeigen und sich von ihrem Kind immer wieder aus der Schule und über das Gelernte berichten lassen, wodurch man dem Kind zeigt, dass Schule spannend sein kann. Besonders wichtig wird die elterliche Unterstützung, wenn es um große Stoffmengen geht und das Kind Ängste vor der Schule oder vor Prüfungen entwickelt.

Für die Realisierung von interesseförderndem Unterricht muss man wissen, wie Interessen entstehen, wie sie sich entwickeln und wie man als Lehrerin oder Lehrer diese Entwicklung beeinflussen kann. Grundsätzlich nimmt man eine kontinuierliche Interessengenese an, wobei auf der ersten Stufe eine zunächst an sich uninteressante Gegenstandsauseinandersetzung in ein aktuelles Interesse umgemünzt wird. Dies gelingt etwa, wenn diese Auseinandersetzung mit Begleitumständen und -themen verknüpft wird, die für die SchülerInnen interessant sind. Man spricht in diesem Zusammenhang von Catch-Faktoren, die das aktuelle Interesse eines Schülers wecken. Auch eine zunächst rein extrinsisch motivierte Gegenstandsauseinandersetzung kann über die Erfahrung von Catch-Impulsen bei der eigentlichen Auseinandersetzung zu aktuellem Interesse führen. In einem zweiten Schritt geht es um eine mittel- bis langfristigen Stabilisierung des aktuellen Interesses am Interessengegenstand, wobei diese Auseinandersetzung die Persönlichkeitsstruktur des interessierten Schülers bzw. der interessierten Schülerin aktualisieren soll, sodass er oder sie allmählich dem Interessengegenstand eine allgemeine Wertschätzung entgegenbringt. Die Elemente des Gegenstands bzw. der Gegenstandsauseinandersetzung, die stabilisierend auf das Interesse wirken, bezeichnet man als Hold-Faktoren. Der letzte Schritt schließlich umfasst due Übernahme des aktuellen Interesses in die dispositionale Struktur des Schülers oder der Schülerin, sodass das aktuelle Interesse zum dispositionalen Interesse werden kann. Während im Unterricht eine kurzfristige Erzeugung und mittelfristige Stabilisierung von aktuellem Interesse noch relativ einfach möglich ist, ist die langfristige Stabilisierung und der Übergang vom aktuellen zum dispositionalen Interesse nur schwer und über längere Zeiträume hinweg zu erreichen. Zu einer Stabilisierung des aktuellen Interesses kann es nämlich nur dann kommen, wenn der Schüler oder die Schülerin eine Auseinandersetzung mit dem Gegenstand sowohl auf der rationalen Ebene als wichtig und mit ihren eigenen Zielen vereinbar erlebt, als diese auch auf der emotionalen Ebene als positiv erlebt (Stangl, 2021).

Literatur

Stangl, W. (2011). Interessefördernder Unterricht – News zum Thema Lernen. Werner Stangls Texte zum Lernen.
WWW: https://news.lerntipp.at/1428/interessefoerdernder-unterricht?noamp=available (11-09-03).

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