Forschung,  Kurioses

Vokabellernen bei Rosengeruch

Die Saarbrücker Zeitung vom 7. Juli 2020 berichtet unter dem Titel „Düfte stärken das Gedächtnis – Dufte Lernhilfe für unser Gehirn“ dass eine Untersuchung der Universität Freiburg zeigt, dass Kindern mit Rosenduft besser lernen. Franziska Neumann wollte für ihren Studienabschluss einen bekannten Test zu nächtlichen Verarbeitungsprozessen im Gehirn nachahmen, wobei sie entdeckte, dass Duftstoffe auch unter alltäglichen Bedingungen das Lernen im Schlaf verbessern. In Neumanns Experiment legten Kinder einer sechsten Klasse Rosenduft-Stäbchen auf ihre Schreibtische, während sie Englischvokabeln lernten und in der Nacht auch neben ihre Betten. In einem weiteren Studienschritt lagen die Duftstäbchen zudem während eines Vokabeltests auf den Schultischen. Als Neumann die Ergebnisse auswertete, zeigten diejenigen Kinder die größten Erfolge, die Rosenduft sowohl während des Lernens als auch während des Schlafens gerochen hatten. Beim Vokabeltest regte der Duft den Gedächtnisinhalt offenbar zusätzlich an und förderte die Erinnerung. Düfte scheinen die Abrufbarkeit von Gelerntem also zu erleichtern. Ob Düfte auch zur allgemeinen Gedächtnisförderung beitragen, ist allerdings noch nicht geklärt, ebenso wie welche Düfte als Gedächtnisstütze geeignet sind. Sicher ist nur, dass das Verankern einzelner Ereignisse im Cortex über die Nasen und den Schlaf gut funktioniert. Für entspannte Lernerfolge sollte der eingesetzte Duft aber idealerweise angenehm und der Schlaf lang genug sein.

Allerdings ist immer noch nicht vollständig geklärt, welche Rolle der Geruch bei der Gedächtnisverarbeitung genau spielt. Eine Hypothese ist, dass Gerüche die Verlagerung des Inhalts einer Erinnerung auf den präfrontalen Cortex etwas verzögern, sodass die Details besser eingeprägt und dadurch länger erhalten bleiben. In diesem Fall muss ein Geruch nur während der Gedächtnisbildung vorhanden sein, damit die Erinnerung ihre Lebendigkeit behält. Die andere Hypothese ist, dass die präfrontale Verschiebung bei einem geruchsassoziierten Gedächtnisinhalt in den Cortex zwar auftritt, doch kommen beim gleichen Geruch die verlorenen Details der Erinnerung erst durch die Reaktivierung des Hippocampus wieder zurück bzw. werden dem Kern der Erinnerung erst dann wieder hinzugefügt.

Literatur

Stangl, W. (2020). Bedeutung des Geruchs aus psychologischer Sicht. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/bedeutung-des-geruchs-aus-psychologischer-sicht/ (18-07-08).

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