Warum begabte Schüler und Schülerinnen im Gymnasium scheitern

Viele Kinder und Jugendliche mit einer hohen Begabung haben das Lernen bis zum Gymnasium noch nicht richtig gelernt, da ihnen in der Grundschule alles mehr oder minder zuflog. Sie mussten sich selten anstrengen und verstanden Lernmaterial oft mühelos, doch an höheren Schulen wird dies plötzlich anders. Solche begabte Underachiever erbringen schlechtere schulische Leistungen als aufgrund ihrer hohen Intelligenz zu erwarten wäre. Nicht so begabte MitschülerInnen, die sich in früheren Schuljahren etwa bestimmte Lesestrategien angeeignet haben, gehen später dann planvoller an Texte heran, überwachen etwa dabei ihren Leseprozess stärker und ergreifen, wenn nötig, Maßnahmen, um ihr Textverständnis zu verbessern, etwa indem sie schwierige Stellen noch einmal lesen oder nach weiteren Informationen sucht. Hochbegabte Underachiever tun dies vergleichsweise seltener und haben auch größere Schwierigkeiten einzuschätzen, ob sie einen Text denn nun wirklich verstanden hatten.

Mögliche Ursachen für Underachievement sind geringe motivationale Dispositionen und metakognitive Kompetenzen. In einer Studie von Tibken et al. (2021) wurde das Zusammenspiel dieser Variablen im Längsschnitt mit begabten und nicht begabten Schülern aus Deutschland (N = 341, 137 weiblich) in den Klassenstufen 6 (M = 12,02 Jahre bei t1) und 8 (M = 14,07 Jahre) untersucht. Es wurden dabei deklarative und prozedurale metakognitive Kompetenzen im Bereich des Leseverstehens erhoben. Pfadanalysen zeigten, dass die prozedurale Metakognition über die Intelligenz hinaus einen ansteigenden Effekt auf die Entwicklung der schulischen Leistungen von begabten Schülern hat. Darüber hinaus sagten die deklarative Metakognition und das Bedürfnis nach Anerkennung interaktiv die prozedurale Metakognition voraus, was ihre Wirkung auf die Schulleistung vermittelte. Hochbegabte Underachiever müssen daher erst versuchen, das Lernen zu lernen.

Literatur

Tibken, C., Richter, T., von der Linden, N., Schmiedeler, S., & Schneider, W. (2021). The role of metacognitive competences in the development of school achievement among gifted adolescents. Child Development, 00, 1–17. https://doi.org/10.1111/cdev.13640.

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