Aufmerksamkeit bündelt die Verarbeitung auf relevante Reize, dämpft Störungen und erhöht so Tempo und Präzision der Informationsverarbeitung, ein Effekt, der Lernen und Gedächtnis wesentlich erleichtert und damit neuroplastische Veränderungen begünstigt. Pädagogisch betrachtet bedeutet das, dass Lerninhalte das retikuläre Aktivierungssystem öffnen müssen, also Interesse, Bedeutung und Neugier wecken, damit Informationen über limbische Schaltkreise bis in den präfrontalen Cortex wirksam verarbeitet und reflektiert werden. Neurochemisch ist vor allem Acetylcholin zentral, denn es wird bei fokussierter Aufmerksamkeit oder neuartigen Reizen ausgeschüttet und schafft für Minuten ein Lernfenster, in dem synaptische Anpassungen besonders wahrscheinlich sind, während gleichzeitig Noradrenalin das positive Erregungsniveau und verstärkt den Effekt erhöht. Entscheidend sind dabei Relevanz und Anstrengung, denn was wichtig erscheint und unter konzentrierter Anforderung bearbeitet wird, hinterlässt deutlich stärkere neuronale Spuren, während Irrelevantes wirkungslos bleibt. Daraus lassen sich konkrete Prinzipien für Unterricht und Training ableiten: Lerninhalte sollten von Beginn an Aufmerksamkeit jährigen und diese im Prozess des Lernens hoch halten, und zwar durch Bedeutsamkeit, angemessene Herausforderung – also nicht zu leicht sein – sowie das bewusste Zusammenspiel exogener (z. B. Neuheit, Überraschung, Rhythmus- und Methodenwechsel, kurze Videos, Musik, Variation von Stimme und Tempo) und endogener Aufmerksamkeit (Ablenkungen eliminieren, Fokuszeiten allmählich verlängern). So lassen sich übrigens auch erzählerische Mittel aus der Literatur übertragen, um Spannung und damit Aufmerksamkeit zu erzeugen: Vorausdeutungen, Geheimnisse und zeitlich getaktete Action motivieren, Fragen zu beantworten, und halten den kognitiven Gatekeeper offen. Insgesamt wirkt Aufmerksamkeit als neurobiologischer Hebel, denn sie moduliert Filter- und Botenstoffsysteme, öffnet temporäre Fenster für synaptische Plastizität und bestimmt so maßgeblich, wann und wie stark das Gehirn sich an Erfahrung anpasst.