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Aufmerksamkeit als Grundlage des Lernens

Sprache lernen im Vorübergehen! Lernposter

Im Alltag ist es oft schwierig, seine Aufmerksamkeit gegen Ablenkungen zu verteidigen, denn im Gehirn konkurrieren zwei fast unabhängigen mentalen Systemen. Die unteren, älteren Gehirnareale reagieren auf sensorische und emotionale Reize, während im vorderen Hirnteil hingegen diese Impulse kontrolliert und bewussten Zielen untergeordnet werden. Da das alte Gehirn schneller und energieeffizienter arbeitet, trägt es meist den Sieg davon, d. h., man gibt doch noch seiner Bequemlichkeit nach oder lässt sich durch etwas vom Gespräch ablenken.

Konzentration ist auch für das Wohlbefinden unentbehrlich, wobei Willenskraft ganz unabhängig vom Intelligenzquotienten oder der sozialen Herkunft letztlich über den Erfolg entscheidet. Dabei sind drei Arten von Aufmerksamkeit entscheidend: Die Konzentration auf sich selbst, auf andere und auf das System, das einen umgibt.

Es gibt zahlreiche Übungen, mit denen man sein Konzentrationsvermögen verbessern kann. Je besser die Konzentrationsfähigkeit ist, desto stärker auch die neuronale Verankerung des Aufzunehmenden im Gehirn. Untersuchungen zeigen, dass es sich lohnt, schon früh im Leben mit dem Training zu beginnen, denn Kinder, die sich in Selbstbeherrschung üben, profitieren ihr Leben lang davon.

Siehe dazu den Stopptanz zum Aufmerksamkeit üben.

Die Rolle der Aufmerksamkeit beim Lernen

Aufmerksamkeit bündelt die Verarbeitung auf relevante Reize, dämpft Störungen und erhöht so Tempo und Präzision der Informationsverarbeitung, ein Effekt, der Lernen und Gedächtnis wesentlich erleichtert und damit neuroplastische Veränderungen begünstigt. Pädagogisch betrachtet bedeutet das, dass Lerninhalte das retikuläre Aktivierungssystem öffnen müssen, also Interesse, Bedeutung und Neugier wecken, damit Informationen über limbische Schaltkreise bis in den präfrontalen Cortex wirksam verarbeitet und reflektiert werden. Neurochemisch ist vor allem Acetylcholin zentral, denn es wird bei fokussierter Aufmerksamkeit oder neuartigen Reizen ausgeschüttet und schafft für Minuten ein Lernfenster, in dem synaptische Anpassungen besonders wahrscheinlich sind, während gleichzeitig Noradrenalin das positive Erregungsniveau und verstärkt den Effekt erhöht. Entscheidend sind dabei Relevanz und Anstrengung, denn was wichtig erscheint und unter konzentrierter Anforderung bearbeitet wird, hinterlässt deutlich stärkere neuronale Spuren, während Irrelevantes wirkungslos bleibt. Daraus lassen sich konkrete Prinzipien für Unterricht und Training ableiten: Lerninhalte sollten von Beginn an Aufmerksamkeit jährigen und diese im Prozess des Lernens hoch halten, und zwar durch Bedeutsamkeit, angemessene Herausforderung – also nicht zu leicht sein – sowie das bewusste Zusammenspiel exogener (z. B. Neuheit, Überraschung, Rhythmus- und Methodenwechsel, kurze Videos, Musik, Variation von Stimme und Tempo) und endogener Aufmerksamkeit (Ablenkungen eliminieren, Fokuszeiten allmählich verlängern). So lassen sich übrigens auch erzählerische Mittel aus der Literatur übertragen, um Spannung und damit Aufmerksamkeit zu erzeugen: Vorausdeutungen, Geheimnisse und zeitlich getaktete Action motivieren, Fragen zu beantworten, und halten den kognitiven Gatekeeper offen. Insgesamt wirkt Aufmerksamkeit als neurobiologischer Hebel, denn sie moduliert Filter- und Botenstoffsysteme, öffnet temporäre Fenster für synaptische Plastizität und bestimmt so maßgeblich, wann und wie stark das Gehirn sich an Erfahrung anpasst.


Literatur

Stangl, W. (2025, 22. August). Aufmerksamkeit und Neuroplastizität: Warum Fokussierung das Gehirn formt. News zum Thema Lernen.
https:// news.lerntipp.at/aufmerksamkeit-und-neuroplastizitaet-warum-fokussierung-das-gehirn-formt/


Siehe dazu auch
die zahlreichen falschen Lerntipps,
die im Internet kursieren!


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