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Faktoren, die die Geschwindigkeit des Lesens beeinflussen

Sitzhaltung: Alleine die Haltung des Lesers hat einen messbaren Einfluss auf seine Lesegeschwindigkeit, denn wer aufrecht und mit guter Körperspannung sitzt, kann sich besser konzentrieren als jemand, der gemütlich auf einer Couch liegt. Alleine durch die fehlende Spannung des Körpers befindet sich der Leser in einem Entspannungszustand, der es erschwert sich zu konzentrieren.

Beleuchtung: Wer bei mangelhafter Beleuchtung einen Text lesen soll, dessen Augen ermüden allein durch die erhöhte Anstrengung, das mangelnde Licht auszugleichen, schneller.

In engem Zusammenhang mit den Lichtverhältnissen beim Lesen steht der Kontrast, den der Druck des Textes dem Leser bietet, denn eine graue Schrift auf weißem Papier kann nur langsam gelesen und verstanden werden, während schwarze Schrift auf weißem Papier sich optimal abhebt.

Auch der Aufbau und das Aussehen des Textes beeinflussen, wie schnell man eine Seite lesen und verstehen kann: Der Zeilenabstand sollte nicht zu eng sein, der Text selbst sollte in einer gut lesbaren Schriftart gedruckt und in Spalten gesetzt sein, denn bei einem Text in Spalten sind die einzelnen Zeilen kürzer und enthalten auch weniger Wörter, sodass man die Zeile mit einer Fixierung erfassen kann.

Daraus folgt, dass ein perfekter Text, den man schnell lesen und verstehen kann, in einer gut lesbaren Schriftart in schwarzer Schrift auf einem weißen Papier in Spaltenform gedruckt ist. Der Zeilenabstand beträgt dabei mindestens 1,5 Zeilen. Der Leser sitzt vor diesem Text in aufrechter Körperhaltung bei guter Beleuchtung.

Siehe auch: Schlechte Angewohnheiten beim Lesen von Texten, die man lernen will

Das Gehirn ist der Taktgeber sowohl beim Sprechen als auch beim Lesen

Sowohl beim Sprechen als auch beim Zuhören verarbeitet bzw. produziert das menschliche Gehirn die Informationen in einem bestimmten Takt, wobei in jeder Sprache eine Zuhörerin bzw. ein Zuhörer ungefähr eine Informationseinheit (Silben, Wörter) in 200 Millisekunden erkennt, d. h., das Sprachsignal ist also durch eine vorherrschende Modulation des Amplitudenspektrums zwischen etwa 4,3 und 5,5 Hz gekennzeichnet. Interessanterweise ist diese Zeitspanne auch die typische Dauer der Augenfixation beim Lesen von Buchstabenschriften – nur bei Zeichenschriften dauert es mit etwa 250 Millisekunden länger. Gagl et al. (2021) haben gezeigt, dass deutsche Leser geschriebenen Text mit ~5 Hz abtasten. Eine Meta-Analyse von 142 Studien aus 14 Sprachen bestätigte dieses Ergebnis und zeigte, dass die Abtastfrequenzen in den verschiedenen Sprachen zwischen 3,9 Hz und 5,2 Hz variieren, wobei diese Variation systematisch von der Komplexität der Schriftsysteme abhängt, also ob es sich um zeichenbasierte oder alphabetische Systeme handelt und davon, wie deutlich die orthographischen Klarheit ausgeprägt ist. Schließlich konnten Gagl et al. (2021) empirisch eine positive Korrelation zwischen dem Sprachspektrum und der Augenbewegungsabtastung bei gering qualifizierten nicht-muttersprachlichen LeserInnen nachweisen, wobei eine Post-hoc-Analyse vorläufige Hinweise auf die gleiche Beziehung bei gering qualifizierten muttersprachlichen Lesern lieferte. Auf der Grundlage dieser übereinstimmenden Belege vermuten die AutorInnen, dass die Sprachverarbeitungssysteme des menschlichen Gehirns während des Lesens eine bevorzugte Verarbeitungsgeschwindigkeit besitzen, wobei die Geschwindigkeit der gesprochenen Sprachproduktion und -wahrnehmung auf das okulomotorische System übertragen wird. Dadurch fungiert das Gehirn als eine Art Taktgeber für die Verarbeitungsgeschwindigkeit sowohl beim Hören bzw. Sprechen als auch beim Lesen.

Literatur

Gagl, Benjamin, Gregorova, Klara, Golch, Julius, Hawelka, Stefan, Sassenhagen, Jona, Tavano, Alessandro, Poeppel, David & Fiebach, Christian J. (2021). Eye movements during text reading align with the rate of speech production. Nature Human Behaviour, doi:10.1038/s41562-021-01215-4.
Stangl, W. (2021). Das Gehirn gibt den gleichen Takt beim Lesen und beim Hören bzw. Sprechen vor – arbeitsblätter news. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/das-gehirn-gibt-den-gleichen-takt-beim-lesen-und-beim-hoeren-bzw-sprechen-vor/ (2021-12-07).
http://www.sprachenlernen24-blog.de/tipps-zum-sprachenlernen-schneller-lesen-lernen/ (14-07-10)




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