Zum Thema ‘Grundlagen des Lernens’

In den Grundlagen des Lernens werden grundlegende Merkmale von Lernen und Lehren vermittelt.



In den Grundlagen des Lernens werden grundlegende Merkmale von Lernen und Lehren vermittelt.

Welche Lerntechniken sind tatsächlich erfolgversprechend?




Viele SchülerInnen und StudentInnen scheitern im Bildungssystem, wobei eine zentrale Ursache ihrer Probleme ist, dass sie nicht in der Lage sind, ihr Lernen durch den Einsatz effektiver Lerntechniken besser zu regulieren. Allerdings haben Kognitionspsychologem und pädagogische Psychologen einfach anzuwendende Lerntechniken entwickelt und evaluiert, die den StudentInnen helfen könnten, ihre Lernziele zu erreichen.

Dunlosky et al. (2013) haben zehn gebräuchliche Lerntechniken im Detail untersucht und geben Empfehlungen zu ihrem relativen Nutzen. Sie wählten dabei Techniken aus, von denen erwartet wurde, dass sie relativ einfach zu handhaben sind und daher von vielen StudentInnen übernommen werden könnten. Außerdem wurden einige Techniken wie Markieren und wiederholtes Lesen untersucht, da die StudentInnen berichten, dass sie sich stark auf diese verlassen, weshalb es besonders bedeutsam ist, gerade diese gebräuchlichen Techniken zu untersuchen, ob sie wirklich gut funktionieren. Zu den untersuchten Techniken gehörten die ausführliche Befragung, die Selbsterklärung, die Zusammenfassung bzw. das Exzerpt, das Hervorheben oder Markieren, die Schlüsselwort-Technik, die Verwendung von Bildern für das Lernen von Texten, das wiederholte Lesen, das Üben von Tests, das verteilte Üben und die Methode der interleaved practice. Interleaved practice ist dabei eine Lernmethode, mit der man nach einem genauen Plan versucht, sich ein umfangreicheres Thema in seinem ganzen Umfang anzueignen, das aber systematisch verteilt über mehrere Lerneinheiten und mit lerntheoretisch begründetem Wiederholen erarbeitet wird.

Um Empfehlungen über den relativen Nutzen dieser Techniken zu geben, haben Dunlosky et al. (2013) bewertet, ob sich ihr Nutzen über vier Rahmenbedingungen verallgemeinern lässt: Lernbedingungen, Merkmale der StudentInnen, Lernmaterialien und Kriterienaufgaben. Die Lernbedingungen umfassen dabei Aspekte der Lernumgebung, in der die Technik eingesetzt wird, etwa ob eine Studentin bzw. ein Student allein oder in einer Gruppe lernt. Zu den Merkmalen der Lernenden gehören Variablen wie Alter, Fähigkeiten und Vorkenntnisse. Die Lernmaterialien variierten von einfachen Konzepten über mathematische Probleme bis hin zu komplizierten wissenschaftlichen Texten. Es zeigte sich dabei, dass sich die Techniken in Bezug auf ihre Verallgemeinerbarkeit und ihr Versprechen, das Lernen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern, stark unterscheiden. Praxistests und verteilte Praktiken erhielten hohe Nutzenbewertungen, weil sie Lernenden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Fähigkeiten zugute kommen und nachweislich die Leistung der Lernenden bei vielen Kriterienaufgaben und sogar in Bildungskontexten steigern können. Ausführliche Befragungen, Selbsterklärungen und interleaved practice erhielten hingegen moderate Nutzenbewertungen, wobei sich die Vorteile dieser Techniken zwar auf einige Variablen verallgemeinern lassen, doch trotz ihrer vielversprechenden Ergebnisse blieben sie hinter einer hohen Nutzenbewertung zurück, da die Nachweise ihrer Wirksamkeit sehr begrenzt waren. Fünf Techniken erhielten eine geringe Nutzenbewertung: die Zusammenfassung, das Markieren, die Schlüsselwort-Technik, die Verwendung von Bildern zum Lernen von Texten und das wiederholte Lesen. Es hatte sich gezeigt, dass die Zusammenfassung und die Verwendung von Bildern für das Textlernen zwar einigen StudentInnen bei einigen Kriterienaufgaben helfen können, doch die Bedingungen, unter denen diese Techniken Nutzen bringen, sind äußerst begrenzt. Die Schlüsselwort-Technik ist in manchen Kontexten auch nur schwer zu implementieren, und es scheint nur manchen StudentInnen bei einer begrenzten Anzahl von Lernmaterialien und bei kurzen Merkintervallen zu nützen. Die meisten StudentInnen berichteten, dass sie das Lesen und Hervorheben zwar wiederholt haben, aber diese Techniken steigern die Leistung der StudentInnen nicht durchwegs, so dass an ihrer Stelle andere Techniken eingesetzt werden sollten, etwa Übungsprüfungen statt erneutem Lesen.

Literatur

Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving Students’ Learning with Effective Learning Techniques. Psychological Science in the Public Interest, 14, 4-58.



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Lesen vs Scannen




Das Aufnehmen gedruckter Inhalte, also das Leseverhalten, hat sich durch den Gebrauch von digitalen Medien deutlich verändert, denn während man Bücher relativ gleichförmig liest – die Augen bewegen sich dabei von links nach rechts und springen dann in die nächste Zeile, wird beim Lesen auf Internetseiten ein Text meist nur gescannt (siehe dazu Skimming und Scanning). Das bedeutet, es werden Titel, Absatzanfänge und einzelne hervorgehobene Worte gelesen, dann lenkt aber eine Werbung ab oder ein Animation fordert auf, das Lesen des Textes zu unterbrechen. Ein solcher rein informationeller Aufnahmemodus ist keine Projektionsfläche für eigene Gedanken und Assoziationen wie vertieftes Lesen in einem Buch. Ein Buch eignet sich damit viel besser zum Erfassen und Verstehen von komplexeren Zusammenhängen, während Texte im Internet eher für den schnellen Überblick geeignet sind. Beide Formen des Leseverhaltens sind wichtig und sollten Kindern in gleichem Ausmaß vermittelt werden.

Die Stärke des Internet liegt daher vor allem in seiner Effizienz, denn was nebensächlich erscheint, kann man wegscrollen oder wegklicken. Wer einen Zeitungsartikel in einem gedruckten Medium liest, kommt in der Regel bis zur Hälfte, erscheint jedoch derselbe Artikel online, wird im Schnitt nur ein Fünftel davon gelesen. Skimmen und Scannen eignet sich für SchülerInnen und Studierende bei der Sichtung von Texten, z.B. für die Bachelor- oder Masterarbeit, zu Beginn einer Prüfungsvorbereitung, um schnell einen Überblick über ein Thema zu bekommen und um das Gehirn auf die neuen Informationen vorzubereiten, d. h., letztlich immer dann, wenn man aus einem Text später genauere Informationen aufnehmen möchte.

Literatur

Stangl, W. (2019). Skimming und Scanning. Werner Stangls Arbeitsblätter-News.
WWW: https://arbeitsblaetter-news.stangl-taller.at/skimming-und-scanning/ (2019-11-24).



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Beim Lernen die Struktur des Netzwerks Gedächtnis berücksichtigen




Der effektive Abruf des Wissens aus dem Langzeitgedächtnis ist von entscheidender Bedeutung für jegliche Gedächtnisleistung. Lediglich fünf Informationskanäle stehen dem ungeheuren Reservoir des Langzeitgedächtnisses gegenüber, wobei die Einschränkung dadurch noch größer wird, dass immer ein bis zwei Informationskanäle belegt sind, um die aktuelle Situation zu managen, und nicht für Abrufprozesse zur Verfügung stehen.

So beobachtet man etwa während einer Prüfung den Prüfer oder die Prüferin, um daraus geeignete Strategien für das weitere Vorgehen abzuleiten. Dadurch werden entsprechende Kapazitäten im Arbeitsspeicher gebunden. Tatsächlich gibt es häufig Probleme beim Abruf von Informationen, d. h., man erinnert sich nicht (Denkhemmung, black out). Hier wirkt sich die Begrenztheit des Arbeitsspeichers mitunter drastisch aus. Dabei läuft der größte Teil des Abrufprozesses, d. h. des Erinnerns, unbewusst ab. Man spricht hier von einer sich von selbst ausbreitenden Aktivierung des Gedächtnisses. Lässt man auf eine Wasseroberfläche Steine hineinfallen, breiten sich kreisförmige Wellen nach allen Seiten aus, die sich an manchen Stellen überschneiden und dort besondere Wellenberge verursachen. Analog kann man sich einen Begriff im Arbeitsspeicher vorstellen, der gleich einem Stein ins Langzeitgedächtnis fällt und gleich einer Welle alle mit diesem Begriff assoziierten Informationen im Langzeitgedächtnis aktiviert. Begriffe, die stärker miteinander verbunden sind bzw. näher am Ursprungsbegriff liegen, werden stärker aktiviert.

Einmal angedacht laufen viele Aktivitäten im Gedächtnis wie Suchprozesse oder Verknüpfungen unbewusst weiter. Dies erklärt auch, warum man sich oft mit Verspätung an etwas Bestimmtes erinnert, denn ein gesuchter Name etwa liegt einem auf der Zunge, fällt einem aber nicht mehr ein. Zwei Stunden später wie aus heiterem Himmel ist der Name plötzlich da, obwohl man gar nicht mehr daran gedacht hat. Die Erregungswellen bzw. Aktivierungen folgen der Struktur des Netzwerks Gedächtnis, woraus sich die große Bedeutung der Struktur des Netzwerks ergibt, da über eine gute effiziente Organisation des Wissens diese unbewussten Prozesse gesteuert werden und die relevante Information automatisch aktiviert wird. Daher ist die Organisation des Wissens im Langzeitgedächtnis von so großer Bedeutung für die Abrufprozesse und damit letztlich für die Effizienz des vorhandenen Wissens.

Daher ist es wichtig ist, den Lernstoff schon beim Lernen eng zu vernetzen und sinnvoll zu strukturieren, wobei schon vor dem Lernen eine gute Struktur im Gedächtnis vorhanden sein sollte, die man sich aber aktiv zuvor erarbeiten muss. Die Erarbeitung einer solchen Struktur ist für den Abrufprozess des Wissens von großer Wichtigkeit und kann im engeren Sinn als zentrale Lerntechnik angesehen werden.



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© Werner Stangl Linz 2020