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Lernen und Alkohol

Die Wissenschaftler haben in Versuchen mit Ratten die Vorgänge im Gehirn entschlüsselt, warum Menschen nach dem Genuss großer Mengen Alkohols am Tag danach Minuten oder sogar Stunden der Erinnerung an den Vorabend fehlen. Alkohol wirkt in höheren Dosen zunächst sedierend, d. h., er macht müde und behindert letztlich die Funktionsfähigkeit des Gehirns, sodass es nur mehr wenig neue Informationen speichern kann, ähnlich einer Ohnmacht, bei der man danach nicht mehr weiß, was zuvor passiert ist. Da sich die Wirkung des Alkohols aber eher langsam aufbaut, gibt es einen Graubereich, in dem nicht mehr alle Informationen im Gehirn ankommen und nur noch einzelne Erinnerungen abgelegt werden, wobei man in der Regel nicht mitbekommt, dass bestimmte Informationen das Gehirn nicht mehr erreichen. Wenn man dann in einen Schlaf fällt, ist aber auch nicht alles weg, sondern es gibt noch einzelne Erinnerungsfetzen, die den Betroffenen manchmal auch Tage später wieder ins Bewusstsein kommen, etwa bestimmte Gerüche oder Bilder etwa.

Die für die Erinnerungsprozesse zuständigen Rezeptoren werden bei einem Alkoholrausch dadurch blockiert, da die Nervenzellen Steroide bilden, die die Synapsenübertragung hemmen, wodurch Erinnerungen gar nicht erst entstehen können. Lernende sollten sollten daher nach einem Tag anstrengenden Lernens möglichst keinen Alkohol trinken, denn bereits geringe Mengen können die Gedächtnisleistung erheblich reduzieren. In einer Studie einer kanadischen Universität. mussten Studenten eine komplizierte Denkaufgabe lösen, wobei eine Gruppe noch am selben Abend Alkohol trank, während eine Vergleichsgruppe abstinent blieb. Eine Woche später wurde kontrolliert, wie groß das Erinnerungsvermögen war. Diejenigen, die nach dem Lernen Alkohol getrunken hatten, hatten erheblich größere Gedächtnislücken als die Nicht-Trinker.

Eine Folge des Alkoholkonsums ist auch die Dehydrierung des Körpers, denn Alkohol ist ein Diuretikum, also ein harntreibendes Mittel, das dem Körper Flüssigkeit entzieht, und zwar bis zu viermal so viel, wie beim Trinken konsumiert wird. Im Gehirn wird bei einer Dehydrierung die Funktion der Hypophyse beeinträchtigt, sodass der Wasserhaushalt nicht mehr richtig gesteuert werden kann. Auch werden bei der alkoholbedingten Dehydrierung Mineralien wie Magnesium, Kalium und Natrium aus dem Körper ausgeschieden, die für kognitive Funktionen wichtig sind. Um diese Verluste zu kompensieren, benötigt das Gehirns einige Zeit, und zwar wesentlich länger, als der Alkohol im Körper nachzuweisen ist, je nach Konsummenge bis zu einen Tag danach. Daher leiden auch noch lange nach dem Abbau des Alkohols die Aufmerksamkeit, das Gedächtnis, aber auch die Reaktionszeit und die Entscheidungsfähigkeit.

Literatur

http://paedpsych.jku.at/INTERNET/ARBEITSBLAETTERORD/LERNTECHNIKORD/GEDAECHTNISORD/Alkohol.html (98-11-02)
https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/GEDAECHTNIS/Vergessen-Lernen.shtml (11-06-21)

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